ArtPaysBack

„Würfel des Vertrauens“ ist ein partizipatives Kunstprojekt, das 100.000 Menschen einlädt, jeweils 2 Euro zu geben – ohne Vertrag, ohne Rendite, ohne rechtliche Absicherung. Was entsteht, ist kein Finanzprodukt, sondern ein sozialer Körper: ein Würfel im Wert von 200.000 Euro, geformt aus Münzen, Beziehungen und Vertrauen.

Das Projekt

Im Zentrum steht die radikale Einfachheit der Geste: 2 Euro. Ein alltäglicher Betrag, kaum spürbar – und doch bedeutend, wenn er sich 100.000-fach wiederholt. Aus dieser kollektiven Mikrohandlung entsteht ein physisches Objekt: ein massiver Würfel, gebaut aus den gesammelten Münzen oder ihrem materiellen Gegenwert. Der Würfel ist Skulptur, Archiv und Verdichtung eines europäischen Moments.

 

Herkunft und Verhältnis: Die Kartografie der Münzen

Jede eingehende 2-Euro-Münze wird dokumentiert. Untersucht wird:

– Aus welchem EU-Land stammt die Münze?

– In welchem prozentualen Verhältnis sind die Länder vertreten?

– Spiegelt die Verteilung demografische, wirtschaftliche oder zufällige Bewegungen innerhalb der EU?

So entsteht eine statistische wie poetische Kartografie Europas. Länder wie Deutschland, Frankreich, Italien oder Spanien werden nicht über politische Schlagzeilen sichtbar, sondern über ihre geprägten Ränder und nationalen Motive. Auch kleinere Staaten wie Österreich, Estland oder Portugal erscheinen im Verhältnis ihrer real zirkulierenden Präsenz.

Der Würfel wird damit zu einem materiellen Diagramm Europas: Gewicht als Statistik, Volumen als Verhältnis, Metall als gelebte Bewegung von Währung innerhalb der Europäischen Union.

 

Vertrauen ohne Vertrag

Das Projekt verzichtet bewusst auf:

– schriftliche Rückzahlungsvereinbarungen

– finanzielle Verzinsung

– juristische Sicherheiten

Stattdessen basiert es ausschließlich auf Vertrauen.

Untersucht wird, ob digitales Vertrauen – vermittelt über Website, Social Media, Plattformen – anders funktioniert als Face-to-Face-Vertrauen im direkten Gespräch, bei physischen Sammelaktionen oder öffentlichen Auftritten.

Welche Form des Kontakts erzeugt mehr Beteiligung?

Wo entsteht mehr Bereitschaft zur Gabe?

Ist Nähe wichtiger als Reichweite?

Oder genügt Transparenz?

Die Teilnahme wird damit selbst zum Forschungsfeld: Jede 2-Euro-Gabe ist eine Abstimmung darüber, wie Vertrauen im 21. Jahrhundert funktioniert.

 

Aufbau als Performance

Der Bau des Würfels wird öffentlich dokumentiert:

– Sammlung der Münzen

– Sortierung und Analyse

– physischer Aufbau der Struktur

– statistische Auswertung

– audiovisuelle Begleitung

Die Konstruktion wird als Performance inszeniert: sichtbar, transparent, gemeinschaftlich. Das Publikum erlebt, wie aus verstreuten Einzelbeträgen ein geometrischer Körper entsteht. Jeder Baustein steht für eine Person, jede Kante für eine Beziehung.

Der Würfel wird anschließend ausgestellt – als Monument kollektiven Vertrauens. Er ist nicht nur Objekt, sondern Prozess, nicht nur Skulptur, sondern soziales Experiment.

 

Rückzahlung als Performance

Die „Rückzahlung“ erfolgt nicht monetär, sondern performativ.

Nach der Ausstellung wird der Würfel wieder aufgelöst. Die 200.000 Euro werden an die 100.000 Beteiligten zurückgegeben – dokumentiert, transparent, öffentlich nachvollziehbar.

Die Rückzahlung selbst wird zur Performance: ein Akt der Einlösung von Vertrauen.

So entsteht ein Kreislauf: Vertrauen → Materialisierung → Sichtbarkeit → Auflösung → Rückgabe.

 

Der Würfel als Symbol

Der Würfel steht für:

– Gleichheit (jede Seite gleich groß)

– Stabilität

– System

– Spiel

– Zufall

Er ist minimalistisch, klar, fast anonym – und doch aus 100.000 individuellen Gesten gebaut.

Das Projekt fragt:

Was ist Vertrauen wert?

Wie viel wiegt kollektives Handeln?

Kann eine Gemeinschaft ohne Vertrag funktionieren?

Und was passiert, wenn Geld nicht als Kapital, sondern als Beziehung gedacht wird?

„Würfel des Vertrauens“ ist Skulptur, soziale Studie und europäisches Porträt zugleich – ein Experiment darüber, wie viel 2 Euro wirklich bedeuten können.